Foto von Buch „Wir haben zu wenig echte Linkshänder“

Erfahrungsberichte

Auf dieser Seite finden Sie Erfah­rungs­be­richte von rück­ge­schul­ten Links­hän­dern, sowie Links­hän­dern die sich in der Rück­schu­lung befinden.

Wir wünschen Ihnen, dass die Schil­de­run­gen der Betrof­fe­nen Ihnen oder Ihren Ange­hö­ri­gen helfen, den für Sie rich­ti­gen Weg zu finden.

Bitte beach­ten Sie, dass die Berichte aus persön­li­chen und daten­schutz­recht­li­chen Grün­den anony­mi­siert wurden.


Erfah­rungs­be­richt 1 – Rückschulung

„Ihr Sohn ist vermut­lich Linkshänder.“

Damit begann der Weg zu meiner eige­nen Händig­keit. Ich ließ meinen Sohn bei Frau Kahle testen.

An einem der letz­ten Termine trafen wir einen Erwach­se­nen „Rück­schü­ler“ und kamen mit ihm ins Gespräch.

„Wie haben Sie denn gemerkt, dass Sie Links­hän­der sind?“, fragte ich.
„Ich konnte immer sehr logisch denken, aber mit dem Auswen­dig lernen hatte ich es nie. Ich war immer sehr vergeß­lich und hatte manch­mal das Gefühl, einen Knoten im Kopf zu haben“, kam als Antwort.

„Ist das nicht normal? Das habe ich auch alles.“ Während ich diesen Satz sagte kam Frau Kahle, um meinen Sohn zu holen.

Spon­tan verein­bar­ten wir einen Termin für meine eigene Testung. Während­des­sen hatte ich zwei Schlüs­sel­mo­mente: Mein mit links gemal­tes Bild war schö­ner als das mit rechts. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen bin ich auch mit rechts – obwohl mein ganzes Leben lang geübt – keine Künst­le­rin, aber das Ergeb­nis erstaunte mich sehr.

Als ich einen Text abschrei­ben musste konnte ich, während ich mit links schrieb, die Zeile halten, mir mehrere Wörter merken, den Text verste­hen, und mich neben­her auch noch unter­hal­ten. Das alles ging nicht, als ich den glei­chen Text zuvor mit der rech­ten Hand geschrie­ben hatte.

Inzwi­schen schreibe ich seit eini­gen Wochen mit der linken Hand. Mir ist nicht mehr schlecht und auch nicht mehr schwin­de­lig, egal, wie viel ich an einem Tag schreibe. Meine Schrift ist zwar objek­tiv betrach­tet nicht unbe­dingt schön, aber sie ist vom Gefühl her schon jetzt mehr meine.

Der Knoten im Kopf wird merk­lich weni­ger, ich kann mich besser arti­ku­lie­ren. Das mit dem Auswen­dig­ler­nen habe ich aller­dings noch nicht probiert.

Alles in allem bin ich erstaunt, wie schnell es ging, bis ich wieder einen Stift in die Hand nehmen durfte und wie unkom­pli­ziert es war die linke Hand lang­sam zum Leben zu erwecken.

Erfah­rungs­be­richt 2 – Rückschulung

Persön­li­cher Erfah­rungs­be­richt zu Beginn, während und am Ende meiner Rück­schu­lung von Okto­ber 2008 bis Ende 2011.

Ich bin Jahr­gang 1954 und ich bin als Links­hän­de­rin geboren .

Meine Mutter hat mir dieses immer wieder erzählt: „Ja, ich weiß es noch genau, Du nahmst die Kreide für die Schie­fer­ta­fel und Deine Bunt­stifte immer in die linke Hand.“

Laut Schul­ord­nung war es in den 60 er Jahren verbo­ten, mit der linken Hand zu schrei­ben. Daher schulte man mich auf das Schrei­ben mit der rech­ten Hand um.

Heute weiß man, dass so ein Umschu­len der Händig­keit der Schreib­hand auf die nicht domi­nante Hand vergleich­bar ist mit einem unblu­ti­gen Eingriff ins Gehirn.

Es stellt eine enorme Verlet­zung des jungen Menschen dar, der sich in so einem jungen Alter nicht wehren kann, der sich nicht austau­schen oder mittei­len kann über seine Miss­ge­schi­cke und Schwie­rig­kei­ten in der Schule.

Ich hatte in meinem Leben immer wieder damit zu tun, mich nicht OK zu fühlen.

Meinen Selbst­wert konnte ich nicht spüren. Beim kleins­ten Anlass bröselte er förm­lich wie ein gespreng­ter Turm in sich zusammen.

Mehrere Körper­the­ra­peu­ten hatten mir empfoh­len, mich auf meine domi­nante linke Schreib­hand zurück­zu­schu­len. Aber ich zögerte. Wie ging denn so etwas, und wer beglei­tete und unter­stützte mich auf meinem Weg.

Dann im Herbst 2008 hatte ich bzgl. des Themas Links­hän­dig­keit ein tief­ge­hen­des AHA-Erleb­nis auf einem Semi­nar und mir wurde klar, dass ich in die Hand­lung kommen musste, wenn ich meine Lebens­qua­li­tät erhö­hen wollte.

Neugie­rig und nun hoch moti­viert schaute ich ins Inter­net zu den Begrif­fen von Links­hän­dig­keit , Umschu­lung und Rück­schu­lung. Es gab nun Betreu­ung auf diesem ganz persön­li­chen Weg, welch ein Glück, welch einSegen..!

Ich hatte das Gefühl,dass jetzt ein geeig­ne­ter Zeit­punkt wäre, eine Rück­schu­lung auf meine domi­nante linke Schreib-Hand anzu­ge­hen, sie zu beginnen.
Viele Male vorher hatte ich einen Anlauf unter­nom­men, aber dann doch einen Rück­zie­her gemacht, weil mir die Unter­stüt­zung, die Beglei­tung dabei fehlte.

Übers Inter­net suchte ich mir eine kompe­tente Beglei­tung und fand diese in der Psycho­lo­gin Martina Neumann, die selbst auch eine umge­schulte Links­hän­de­rin ist und Menschen bei der Rück­schu­lung auf ihre domi­nante Schreib­hand begleitet.

Frau Neumann meinte, es wäre gut, wenn ich einmal nach Berlin käme, um in direk­tem Augen­kon­takt mitein­an­der zu spre­chen und um einan­der kennen zu lernen.
Aber aus diver­sen priva­ten Grün­den meiner­seits es kam nicht dazu.

Mit Frau Neumann tele­fo­nierte ich nun einmal die Woche nach Berlin. Ich fühlte mich stark, die Rück­schu­lung so mit kompe­ten­ter Beglei­tung durch­zu­füh­ren. Die rich­tige Schreib­hal­tung hatte ich mir schon ange­eig­net und einen Füller für Links­hän­der schon stolz erworben.

Nun konnte es im Okto­ber 2008 losge­hen. Ich war bereit.!

Frau Neumann ermu­tigte mich, jeden Tag meine Schwung- und Spur­übun­gen mit der linken Hand zu machen. Aber nicht zu lange Zeit, sondern mich in den Minu­ten allmäh­lich steigernd.

Während dieser entspan­nen­den Übun­gen spurte ich mit der linken Hand mit einem Blei­stift ganz bestimm­ten, aufge­zeich­ne­ten Figu­ren nach, was dabei half, die rechte und die linke Gehirn­hälfte mitein­an­der zu verbinden.
In diese Phase der Rück­schu­lung ist es eine ganz wich­tige Übung. Und ich genoss diese in vollen Zügen!

Ja, ich juchzte förm­lich inner­lich vor Glück, wenn ich mit der linken Hand spurte. Das war für mich der Beweis, dass ich auf dem für mich rich­ti­gen Weg war.

Martina Neumann empfahl mir, mir vormit­tags im Büro nicht zuviel aufzu­bür­den und mich am Nach­mit­tag möglichst zu entspan­nen, auch evtl. bei einem Besuch in einer Salz-Oase oder Sauna.

Während dieser frühen Zeit meiner Rück­schu­lung mit Frau Neumann kamen die unter­schied­lichs­ten Gefühle in mir hoch und ich drückte meine Gefühle in dieser nach­ste­hen­den Prosa aus.

Es war eine Mischung aus Erleich­te­rung, aus Wut aus endlo­ser Anstren­gung, die immer noch in den Knochen saß, aus Trau­rig­keit, Allein­Sein und aus Glücks­ge­fühl, wenn ich an die Zukunft dachte.:

Umge­schulte Links­hän­de­rin in der Rück­schu­lung auf die domi­nante linke Schreibhand.

Ich bin verwirrt
Mein altes Leben beginnt ausein­an­der zu driften
Und das Neue lässt noch auf sich warten.
Das alte funk­tio­niert nicht mehr,
ich funk­tio­niere nicht mehr,
ich falle und falle..
wohin.?
Keiner kann es mir sagen.

Vertrauen, Vertrauen
In das , was DA ist.
Liebe­volle, anteil­neh­mende und beru­hi­gende Beglei­tung ist da,
das trös­tet mich.
Es ist nichts mehr so wie früher,
aber ich will es so,
denn so mit SelbstwertLeid
will ich nicht weiterleben.

Nein, dieses Leben mit ange­zo­ge­ner Handbremse
ist nicht meins.

Ich wage den Sprung
und vertraue dem Netz,
das sich auftun wird.

Meine rechte, domi­nante Gehirn­hälfte freut sich darauf, mehr
gefor­dert zu sein,
meine linke Gehirn­hälfte sehnt sich nach Erholung.

Ich will leben.
1 Jahr kann es dauern,
der Prozeß.

Ich möchte SEIN, die ich bin,
denn das Leben ist schön.
La vita è bella.
Und ich will es auskosten.
Ich habe der Welt was zu geben,
gerade ich als Linkshänderin.

26.11.2008

Und meinen Inne­ren Zensor schrieb ich auch gleich meine Meinung :

Der Innere Zensor

…hat genug gewü­tet in mir.
Ich mach nicht mehr mit.
„Du hast keine Chance mehr bei mir“, will ich zu ihm sagen. “Scher’ Dich zum Teufel, geh’ zum Deifi. Hau ab , Du hast Dein Pulver verschos­sen. Ich brau­che Dich nicht mehr. Wofür brauchte ich Dich eigentlich..??“

Ich folge dem Augen­blick und werde still.
Es ist doch mein Leben.

„Nein, mein lieber, Du hast ausge­dient, hast Deine Pflicht getan. Ich kann jetzt selbst für mich sorgen, brau­che Deine Ermah­nun­gen und Deine Kritik und Dein Dich einmi­schen in meine Gedan­ken nicht mehr.!!
Inne­rer Zensor : Du kannst gehen…ich gebe Dich frei…

27.11.2008

Frau Neumann erin­nerte mich immer wieder, viele Pausen am Tag zu machen. Und öfters Entspan­nen­des zu tun, um die rech­ten Gehirn­hälfte nicht zu über­stra­pa­zie­ren. Ich musste mich zu diesen Auszei­ten zwingen.
Ein gutes Gewis­sen wollte dabei nicht entste­hen. Meine Leis­tung reichte dem inne­ren Zensor nicht.

Das nächste wich­tige Thema für mich während der Rück­schu­lung war:
Oute ich mich oder nicht. ?
Denn nach den wochen­lan­gen Spur- und Schwung­übun­gen, und Buch­sta­ben-Übun­gen eines Erst­kläss­lers durfte ich allmäh­lich begin­nen, eine kurze Zeit am Tag mit der linken Hand zu schreiben.

Klar, dass diese neue Hand­schrift so aussah, als hätte ich gerade einen Schlag­an­fall über­stan­den. Mir war es pein­lich, so zu schrei­ben, aber es half nix::
Ich wollte mich mit der linken Hand schrei­bend ausdrü­cken, so wie ich bei meiner Geburt geplant war.
Eini­gen Brief­emp­fän­gern erklärte ich den Grund für meine neue unre­gel­mä­ßige Handschrift.

Eine von meinen Masken konnte ich nun abnehmen::
Die Maske, dass ich unbe­dingt einen guten Eindruck machen sollte und gut sein wollte.

Es fühle sich an, wie ein Verlust von Punk­ten auf der gesell­schaft­lich sozia­len Skala. Das machte mich anfangs sehr traurig.
Dann wurde es aber wich­ti­ger, mir selbst, der Links­hän­de­rin, näher zu kommen.

In meinem Kopf entstand der alte Wirr­warr , den ich schon einmal kennen gelernt hatte als junges schul­pflich­ti­ges Wesen.
Dieser Wirr­warr machte mir Angst.
Frau Neumann erzählte ich davon. Sie beru­higte mich und meinte, das liege während einer Rück­schu­lung im norma­len Bereich. Auch, beru­higte Sie mich, als ich ihr andeu­tete, dass ich das Gefühl hätte, ein weißes Blatt vor meinen Augen zu haben und nichts mehr zu wissen. Dieses sei alles ganz normal und sei Teil des Prozes­ses der Rückschulung.

Sie sagte, ich sollte mich so oft, wie es ginge, entspan­nen, Weni­ger wäre in meiner Situa­tion Mehr. Ich befolgte so gut es ging Frau Neumanns Empfeh­lun­gen. Ihre Ermu­ti­gun­gen taten mir gut. Ich begann, mich zu akzep­tie­ren, so wie ich bin. Ich lernte in dieser Zeit, mich zu beschüt­zen und auch NEIN zu sagen, weil es ein JA für mich war.

Diese Art der Neuge­burt geschah um meinen 55.Geburtstag herum. So lang­sam entwi­ckelte ich Stolz für meinen Mut, mein bishe­ri­ges Leben total umzu­krem­peln und noch einmal einen ganz ande­ren Lebens­ge­schmack kennen lernen zu wollen

mit mehr Leichtigkeit
mehr Selbstakzeptanz
mehr Selbstwertgefühl
mehr Vertrauen
mehr Selbst-Liebe
mehr Liebe zu Allem.

Nach Fünf­mo­na­ti­ger Beglei­tung durch Frau Martina Neumann entschied ich mich, meine Rück­schu­lung allein, ohne Betreu­ung, weiter­zu­ma­chen und glaubte, ich wäre über den Berg. Aber das war wohl ein Fehler.

Die Wich­tig­keit meiner Rück­schu­lung geriet etwas ins Hinter­tref­fen. Ich schrieb mal mit der rech­ten, mal mit der linken Hand.

Das änderte sich als ich Clau­dia Winter kennen lernte. Über Xing fragte mich Frau Winter damals, ob ich ihr einen Thera­peu­ten empfeh­len könnte, der in Lübeck die Rück­schu­lung auf die domi­nante linke Schreib­hand beglei­ten würde.

Ich nannte ihr die Ergo­the­ra­peu­tin Sigrid Kahle, von der ich wusste, dass sie Menschen bei der Rück­schu­lung auf die domi­nante linke Hand beglei­tete. Ich war aber bisher nicht zu ihr gegangen.

Frau Winter nahm meine Empfeh­lung an und berich­tete mir via Email, wie gut ihr die Beglei­tung durch Frau Kahle täte und wie struk­tu­riert sie dabei vorginge. Ich war erstaunt über diese Infor­ma­tio­nen und merkte, dass ich das in meiner augen­blick­li­chen Situa­tion drin­gend benö­tigte: Struktur.

So setzte ich nach fast 2 Jahren Unter­bre­chung, Anfang 2011 bei Sigrid Kahle meine Rück­schu­lung fort; viel­leicht kann man auch sagen, ich begann die Rück­schu­lung in 2011 ein zwei­tes Mal mit sehr viel mehr Struktur.

Frau Kahle war nicht gerade erbaut darüber, wo ich in meinem Leben gerade fest­steckte. Sie war in meiner Situa­tion der rettende Rück­schul-Engel für mich.
Sie passte – vergleich­bar mit einer Anwäl­tin – darauf auf, dass ich meinen roten Lebens­fa­den nicht verlor.

Der Händig­keits-Test, den sie gleich zu Anfang mit mir machte, ergab ganz eindeu­tig: Ich bin eine Linkshänderin!

Mit so einem Test, Metho­dik Barbara Satt­ler, beginnt bei Sigrid Kahle jede Rückschulung.

Dann erstellte ich mit Frau Kahles Hilfe einen Wochen­plan mit möglichst viel Frei­zeit für mich darin verein­bar mit den augen­blick­li­chen beruf­li­chen und priva­ten Verpflichtungen.

Dieser Wochen­plan war Gold für mich. Er unter­stützte mich bei meinen beruf­li­chen Zielen und half mir, diese nicht aus den Augen zu verlie­ren, am Ball zu blei­ben. Unsere wöchent­li­chen Gesprä­che waren wie ein Spie­gel für mich, um besser zu erken­nen : Was ist mir in meiner jetzi­gen Lebens­si­tua­tion wirk­lich wich­tig und wo will ich hin.

So kam es, dass ich in 2011 mein drit­tes Buch veröf­fent­li­chen konnte: Das Hörbuch „Die drei Reisen zum Inne­ren Kind“. Ich war ganz allein die Autorin. Darauf war ich mäch­tig stolz.

Außer­dem fand ich den Mut, meine Dienste in der Senio­ren­as­sis­tenz anzu­bie­ten. Nun wurde mein Leben rund.

Bei all meinen persön­li­chen Entwick­lun­gen beglei­tete mich Frau Kahle mit einfühl­sa­mem Mitge­fühl, mit Lob und Verständ­nis und mit lösungs­ori­en­tier­ten prag­ma­ti­schen Denk­an­stös­sen, so ganz ohne Druck.

Frau Kahle war auf diesen anfäng­li­chen zaghaf­ten neuen, beruf­li­chen Schrit­ten wie eine Spar­rings- Part­ne­rin für mich, Sie ermu­tigte mich, bestärkte mich, und wir prob­ten beruf­li­cher­seits Szenen gemeinsam.

Nun, nach einem Jahr der Beglei­tung in der Rück­schu­lung durch Sigrid Kahle, kann ich sagen, dass ich sehr glück­lich darüber bin, wie sich mein Leben seit­dem entwi­ckelt hat und wie ich mich entwi­ckelt habe:

Ich kann es so formulieren:

Ich sitze selbst am Steuer meines Lebens. Das Gefühl der ange­zo­ge­nen Hand­bremse ist komplett weg.

Ich schreibe nur mit links, und meine Hand­schrift mit links gefällt mir. Sie ähnelt inzwi­schen meiner dama­li­gen Hand­schrift mit rechts.

Ich habe Vertrauen zu mir und zum Leben, und ich kenne meinen Selbst-Wert.

Ich bin stolz auf mich, dass ich mich mit 55 Jahren entschie­den habe, mich auf die domi­nante linke Schreib­hand zurückzuschulen.

Ich gebe mir somit die Möglich­keit, mein Leben mit meiner domi­nan­ten rech­ten Gehirn-Hälfte auszu­drü­cken und meine Krea­ti­vi­tät als Links­hän­de­rin zu leben.

ICH BIN OK, SO WIE ICH BIN.

Erfah­rungs­be­richt 3 – Rückschulung

Dass ich in der ersten Klasse gezwun­gen wurde mit der rech­ten Hand zu schrei­ben, daran kann ich mich noch sehr gut erin­nern. Jahre­lang schleppte ich dann psychi­sche und emotio­nale Probleme mit mir herum, aber auf die Idee, dass die Umschu­lung unter ande­rem daran schuld war, hätte ich nie gedacht.

Eine Lebens­krise und unan­ge­nehme Verän­de­run­gen rissen mich aus dem Alltags­trott heraus und ich wollte endlich heraus­fin­den wodurch meine Probleme entstan­den sind. Zu meinen Proble­men gehör­ten unter ande­ren Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, Unsi­cher­heit, Lern­pro­bleme, Zurück­ge­zo­gen­heit und eine Erschöpfungsdepression.

Ich begann im Inter­net zu recher­chie­ren und siehe da meine Probleme waren mit den Sympto­men eines umge­schul­ten Links­hän­der iden­tisch. Zu diesem Zeit­punkt war mir klar, dass das eine Chance sein könnte mein Leben wieder lebens­wer­ter zu gestalten.

Darauf­hin tele­fo­nierte ich mit Frau Kahle und wir verein­bar­ten einen Termin. Nach dem Erst­ge­spräch und dem Test, der eindeu­tig war, entschied ich mich für eine Rück­schu­lung. Durch die profes­sio­nelle Hilfe und Geduld von Frau Kahle gelang es mir das Schrei­ben mit der linken Hand Schritt für Schritt zu erler­nen. Die Schrift sieht zwar heute nach zwei­ein­halb Jahren immer noch etwas kindisch aus, aber es ist halt ein lang­wie­ri­ger Prozess. Während der Rück­schu­lung merkte ich schon dass es posi­tive Verän­de­run­gen gab.

Heute kann ich sagen, dass sich die Rück­schu­lung für mich auf alle Fälle gelohnt hat. Es hat sich vieles in meinem Leben gebes­sert. In meiner Persön­lich­keit bin ich wesent­lich stabi­ler gewor­den und ich habe mich deut­lich weiterentwickelt.

Erfah­rungs­be­richt 4 – Rückschulung

Vorher:
Bevor ich mich zum Thema Umschu­lung und Rück­schu­lung infor­miert hatte, ging ich davon aus, keiner­lei Probleme zu haben. Erst durch die Beschäf­ti­gung mit dem Thema kam die Frage auf, ob Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, Kopf­schmer­zen von der Umschu­lung herrühren.

Während:
Schon die Anfangs­übun­gen mit der linken Hand, sowie nach­her das Schrei­ben mit links, fühlte sich von Beginn an rich­tig für mich an.

Nach­her:
In manchen Punk­ten ist meines Erach­tens eine Verschlech­te­rung einge­tre­ten (Gedächt­nis, Zahlen­dre­hen, Rechts-links-Unsi­cher­heit). Dennoch stehe ich voll hinter der Rück­schu­lung. Abge­se­hen von dem Gefühl der Stim­mig­keit, mit der linken Hand zu schrei­ben und andere Tätig­kei­ten zu verrich­ten, fällt es mir leich­ter, Abläufe zu erken­nen, zu erfas­sen und in Worten auszu­drü­cken. Ich habe den Eindruck, dass alles im meinem Kopf struk­tu­rier­ter abläuft.

Erfah­rungs­be­richt 5 – Rückschulung

Ich, weib­lich und 42 Jahre jung, habe vor ca. 1,5 Jahren mit der Rück­schu­lung auf meine domi­nante linke Hand in Beglei­tung einer Links­hän­der­the­ra­peu­tin begonnen.

Befind­lich­kei­ten vor der Rückschulung

Folgende Fragen und Gefühle haben mich stän­dig begleitet:

  • Warum muss ich immer mehr als die Ande­ren lernen bzw. Ener­gie aufbrin­gen, und das Resul­tat ist trotz­dem schlecht.
  • Warum ist die Idee/Gedanke irgendwo im Kopf, aber kommt nicht raus?
  • Irgend­wie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl „Es ist etwas nicht richtig!“
  • Ich habe die Kinder/Menschen, die den Mut hatten mit links zu schrei­ben, sehr bewundert.
  • Ich hatte immer Angst, etwas zu vergessen.
  • Warum mag ich nicht malen, obwohl es mich doch so faszi­niert? Ich habe meine Bilder gehasst.

Fazit heute – Der Wirbel­sturm

Befind­lich­kei­ten während der Umschulung

Während dieser Zeit habe ich einige Zeit über­haupt nicht mit den Händen geschrie­ben. Für mich hieß das, ich musste mir sehr viel merken, was ich bis jetzt ja eigent­lich über­haupt nicht konnte. Wenn ich schrei­ben musste, habe ich dieses mit dem PC erle­digt oder meine Mitmen­schen haben für mich geschrieben.

In dieser Phase hat sich das Gefühl „die Idee/der Gedanke ist im Kopf und kommt da nicht raus“ im wahrs­ten Sinne des Wortes in Luft aufge­löst. Ich konnte mir auf einmal alles einfach merken und auch immer öfter sofort abrufen.

Das ging auch bei den ersten Schreib­übun­gen so weiter. Ich schrieb Texte aus Büchern ab. Die Aufgabe war es, sich möglichst viele Wörter zu merken und diese dann aufzu­schrei­ben. Das klappte so gut, wie in meinem ganzen Leben noch nicht!!! Keine Recht­schreib­pro­bleme, keine Lese­pro­bleme und auch hier konnte ich mir wieder Mengen merken, ohne mich anzustrengen!!!

Ein weite­rer Teil der Thera­pie war es, drei Bilder mit Links zu malen und diese zu interpretieren.

Wir haben mit einem Tusche­bild begon­nen „Drei Tiere auf einer Wiese“ Es war fast wie immer, ich hasste das Bild und es sah aus, wie von einem Erst­kläss­ler. Aber irgend­wie machte es mehr Spaß als früher.
Das zweite Bild malte ich mit Kreide. Es wurde ein „Sonnen­un­ter­gang auf dem Meer. Dieses Bild gefiel mir – ich fühlte mich rich­tig gut. Dann war die Stunde zu Ende.

Ein paar Tage später habe ich über diese Stunde nach­ge­dacht und mich zu Hause hinge­setzt und ange­fan­gen zu malen.

Das erste Mal in meinem Leben konnte ich so malen, wie ich wollte …

Zur nächs­ten Stunde habe ich meiner Thera­peu­tin meine Bilder mitge­bracht. Es hat ihr die Spra­che verschlagen.

Seit­dem male ich von Herzen gerne und alles. Was mir in den Sinn kommt, kommt auf Papier. Herrlich!

Fazit heute – Das Erken­nen und Durchbrechen

Nach der Umschulung

Heute probiere ich viele Sachen mit der linken Hand aus. Feder­ball, Tisch­ten­nis, Billard, Dart und alle mögli­chen hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten mache ich problem­los mit Links. (-:

Alles macht jetzt viel mehr Spaß und fühlt sich rich­tig an. Ich genieße mein Tun jede Minute, mit viel Gelas­sen­heit und Ruhe.

Erfah­rungs­be­richt 6 – Rückschulung

Nach­dem ich erstaunt fest­stellte, dass meine Toch­ter alle Situa­tio­nen, in denen Geschick­lich­keit und Genau­ig­keit gefragt waren, mit der linken Hand machte, stand für mich fest, dass sie auf keinen Fall mit rechts schrei­ben sollte, so wie ich es noch musste. Also forschte ich nach Mate­rial, las die Bücher von Frau Dr. Satt­ler und war geschockt, weil so viel auf mich zutraf.

Obwohl ich schon viel­fach psycho­the­ra­peu­ti­sche Hilfe in Anspruch genom­men hatte, fühlte ich mich erleich­tert, eine Begrün­dung für viele Schwie­rig­kei­ten zu finden. 

Nach meiner Testung auf Links­hän­dig­keit begann ich bei Frau Kahle in Lübeck mit der Rückschulung.
In dieser Phase fühlte ich mich sehr labil, hatte Schwin­del­ge­fühle und war nicht belast­bar. Ich konnte mich schlecht konzen­trie­ren, mir Ruhe zu gönnen, fiel mir immer noch schwer und ich litt unter star­ken Gemütsschwankungen. 

Mein Leben hatte ich mir so einge­rich­tet, dass genü­gend Raum für die Rück­schu­lung war.

Nach­dem ich die Rück­schu­lung vor vier Jahren been­det hatte, stellte sich eine Verbes­se­rung der Beschwer­den ein. Ich konnte private Verän­de­run­gen besser verar­bei­ten, war fröh­li­cher und ausge­gli­che­ner und habe oft gesagt, dass ich mir wie neu gebo­ren vorkam.

Ein inne­rer Zusam­men­hang war plötz­lich da.
Ich konnte besser ausspre­chen, was ich dachte und meine Gefühle ande­ren zeigen, hatte weni­ger Black­outs, weni­ger inne­ren Druck, der mich zu zerrei­ßen schien. Ich fühlte mich spür­bar entlastet.

Im Alter von 22 Jahren hatte ich im Studium einen Engel aus Glas gegos­sen, der von der Last seiner Flügel erdrückt wurde. Ich wollte immer flie­gen, aber die Flügel waren schwer wie Blei.
Nun mit Mitte Drei­ßig fing ich an, mir stär­ker zu vertrauen, meine Träume umzu­set­zen, als Künst­le­rin zu arbei­ten und auf meine Ausbil­dung als Diplom­de­si­gne­rin an einer Kunst­schule stolz zu sein.
Ich orga­ni­sierte Ausstel­lun­gen und präsen­tierte mich öffent­lich. Das Reden vor Publi­kum erfor­derte einen weite­ren Lern­pro­zess. Ich hatte unglaub­lich große Angst davor und in Situa­tio­nen, in denen ich mich unter Druck fühle, sind die alten Muster von vor der Umschu­lung wieder da. Mit Hilfe von Stich­punk­ten auf einem Blatt kann ich Black­outs umge­hen und den roten Faden behal­ten. Trotz­dem ist es immer noch eine Heraus­for­de­rung für mich.

Auch nach langer Been­di­gung der Rück­schu­lung bilden sich Umschu­lungs­fol­gen zurück. 

Es ist ein Prozess, der längere Zeit braucht. Für mich war es die rich­tige Entscheidung.

Erfah­rungs­be­richt 7 – Rückschulung

Erfah­rungs­be­richt über die Rück­schu­lung zur Links­hän­de­rin von C. H.

Auf den Gedan­ken, dass mir als Kind der Stift in die rechte Hand „gedrückt“ wurde – bin ich gekom­men, als die Selbstumschu­lung zum Rechts­hän­der bei meinem Sohn fest­ge­stellt worden ist.
Doch was dies alles zur Folge hatte, war mir bis dato nicht bewusst gewe­sen. Bis zum Anfang der Rück­schu­lung 2009 hatte ich zuneh­mend große Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, die sich spezi­ell auf Gesprä­che (ich verlor oft den „Roten Faden“) und auch auf das Lesen bezo­gen – nichts von dem Gehör­ten oder Gele­se­nen wollte in meinem Kopf blei­ben. Außer­dem war ich sehr schnell erschöpft und müde – auch auf vielen Fragen wusste ich die Antwor­ten, war aber nicht in der Lage, diese auszu­spre­chen, ähnlich einem „Black-Out“.

Aufgrund dieser Zustände wuchs meine Angst, Neues zu erler­nen, die Angst vor dem Versa­gen war über­mäch­tig, zumal ich auch sehr hohe Ansprü­che und Erwar­tun­gen an mich selbst hatte – der Hang zum Perfektionismus.…
Rück­wir­kend gese­hen gehe ich davon aus, dass der Ursprung dieser Ängste zu schei­tern, in der gezwun­ge­nen Umschu­lung als Kind lag.

Nach meinem Sohn ließ auch ich mich testen und machte für mich eine erfreu­li­che Fest­stel­lung – mit LINKS ging mir so manches leich­ter von der Hand!
Aus diesem Grund entschied ich mich dann auch für eine Rück­schu­lung. Während der Thera­pie verbes­serte sich meine Konzen­tra­tion zu Sehens, was sich im Großen und Ganzen auf das Behal­ten von Infor­ma­tio­nen aus Gesprä­chen oder gele­se­nen Texten bezog.
Auch war ich nach und nach immer besser in der Lage, während des Schrei­bens oder Lesens Musik zu hören und trotz­dem dem Verlauf folgen zu können.

Am Rande sei erwähnt, dass mir das Schrei­ben mit Links kaum Schwie­rig­kei­ten bereitete.

Nun zurück­bli­ckend betrach­tet, kann ich nach der Rück­schu­lung eine deut­li­che Verbes­se­rung meines Gesamt­be­fin­dens fest­stel­len, was sich in kaum noch Kopf­schmer­zen und einem freie­ren und entspann­te­ren Körper­be­fin­den äußert.

Bücher verschlinge ich mitt­ler­weile ohne den Inhalt zu verges­sen und auch meinen Gesprächs­part­nern kann ich leich­ter und besser folgen.
„Perfekt zu sein, versu­che ich immer noch. Bin aber lange nicht mehr so enttäuscht oder entmu­tigt, wenn es mal nicht „Perfekt“ wird…

Zum Abschluss möchte ich sagen – auch wenn ich viele Jahre „Rechts­hän­der sein musste“, bin ich froh, dass ich den Schritt von „Rechts wieder zurück auf Links“ gewagt habe. 

Mein Selbst­be­wusst­sein ist gestie­gen und meine Angst zu versa­gen wird immer weni­ger, und inwie­weit ich noch Prüfungs­angst habe, werde ich in nächs­ter Zukunft „austes­ten“.

Erfah­rungs­be­richt 8 – Rückschulung

Warum ich mich für eine Rück­schu­lung entschie­den habe und was seit­her passiert ist.

Ich litt schon seit ich denken kann an Konzen­tra­ti­ons­stö­run­gen und hatte mit dem Lang- und Kurz­zeit­ge­dächt­nis Probleme. Zudem habe ich mich fremd in meinem Körper gefühlt, so als ob er nur funk­tio­niert und nicht „mein“ Körper ist. Durch diese Schwie­rig­kei­ten bekam ich Stim­mungs­schwan­kun­gen, die sowohl mein priva­tes als auch mein beruf­li­ches Leben stark beein­flusst haben.

Nach­dem ich bei verschie­de­nen Ärzten war, die mir alle sagten, dass sie mir nicht helfen könn­ten, habe ich mich im Inter­net bele­sen und fest­ge­stellt, dass vieles von mir auf die Probleme eines umge­schul­ten Links­hän­ders, welcher ich bin, passt. Beson­ders nach dem Test bei dem man ein Bild mit rechts und dann mit links aus dem Gedächt­nis nach­ma­len musste, war mir klar, dass das der Ursprung meiner Probleme ist.

Seit ca. einem halben Jahr bin ich nun aktiv dabei. Seit­her hat sich eini­ges geändert.

Zum Einen ist es ein befrei­en­des Gefühl, im eige­nen Körper ange­kom­men zu sein. Ich wurde „stolz“ darauf, ein Links­hän­der zu sein und benutze meine linke Hand bei vielen verschie­de­nen Gele­gen­hei­ten ganz auto­ma­tisch. Endlich kann ich mich bei Gesprä­chen konzen­trie­ren und auch mein Gedächt­nis ist besser gewor­den. Ich habe zwar immer noch Probleme damit, mir Infor­ma­tio­nen zu merken, aber ich finde sie schnel­ler wieder, wenn man mir einen Hinweis dazu gibt. Zudem habe ich meine Emotio­nen besser im Griff und lerne, durch Reden ein biss­chen mehr Klar­heit in meinen Kopf zu bekom­men und nicht mehr alles in mir und mit mir zu klären. Lerne, mich selbst mehr anzunehmen.

Äußer­lich trat auch eine Verän­de­rung ein: Ich kaue keine Nägel mehr, obwohl ich nicht bewusst darauf geach­tet habe.

Mein Mann meinte, dass sie viel­leicht auch daran inter­es­siert sind, wie man als Außen­ste­hende das ganze sieht, daher hier auch ein paar Zeilen von mir.

Mein Mann ist nun seit einem halben Jahr mit der Rück­schu­lung beschäf­tigt und ich kann einige posi­tive Dinge feststellen.

Er ist ausge­gli­che­ner gewor­den und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass er bei Gesprä­chen mit den Gedan­ken schon wieder ganz woan­ders ist. Er konzen­triert sich auf das hier und jetzt. Auch wenn es ihm mal nicht so gut geht redet er immer öfter mit mir und teilt sich mir mit, was sich posi­tiv auf die Bezie­hung auswirkt.

Er ist gedul­di­ger im Umgang mit seinem Kind und im Allge­mei­nen entspann­ter. Oft kommt es vor, dass er sich an Gesprä­che ganz von allein erin­nern kann. Diese Diskus­sio­nen fallen also auch vom Tisch. Ich kann mich mehr auf ihn verlassen.

Mitt­ler­weile kann man sagen, dass er ein Stück­chen mehr Lebens­freude bekom­men hat, auch wenn er gerade in der schwie­ri­gen Phase der Thera­pie ist.

Außer­dem steht er mehr zu sich selbst, seinen Stär­ken und Schwä­chen. Er gibt Arbeit ab, wenn ihm etwas zu viel wird und somit entlas­tet er sich.