16 Jun

Erfahrungsbericht Rückschulung 8

Warum ich mich für eine Rückschulung entschieden habe und was seither passiert ist.

Ich litt schon seit ich denken kann an Konzentrationsstörungen und hatte mit dem Lang- und Kurzzeitgedächtnis Probleme. Zudem habe ich mich fremd in meinem Körper gefühlt, so als ob er nur funktioniert und nicht „mein“ Körper ist. Durch diese Schwierigkeiten bekam ich Stimmungsschwankungen, die sowohl mein privates als auch mein berufliches Leben stark beeinflusst haben.

Nachdem ich bei verschiedenen Ärzten war, die mir alle sagten, dass sie mir nicht helfen könnten, habe ich mich im Internet belesen und festgestellt, dass vieles von mir auf die Probleme eines umgeschulten Linkshänders, welcher ich bin, passt. Besonders nach dem Test bei dem man ein Bild mit rechts und dann mit links aus dem Gedächtnis nachmalen musste, war mir klar, dass das der Ursprung meiner Probleme ist.

Seit ca. einem halben Jahr bin ich nun aktiv dabei. Seither hat sich einiges geändert.

Zum Einen ist es ein befreiendes Gefühl, im eigenen Körper angekommen zu sein. Ich wurde „stolz“ darauf, ein Linkshänder zu sein und benutze meine linke Hand bei vielen verschiedenen Gelegenheiten ganz automatisch. Endlich kann ich mich bei Gesprächen konzentrieren und auch mein Gedächtnis ist besser geworden. Ich habe zwar immer noch Probleme damit, mir Informationen zu merken, aber ich finde sie schneller wieder, wenn man mir einen Hinweis dazu gibt. Zudem habe ich meine Emotionen besser im Griff und lerne, durch Reden ein bisschen mehr Klarheit in meinen Kopf zu bekommen und nicht mehr alles in mir und mit mir zu klären. Lerne, mich selbst mehr anzunehmen.

Äußerlich trat auch eine Veränderung ein: Ich kaue keine Nägel mehr, obwohl ich nicht bewusst darauf geachtet habe.

Mein Mann meinte, dass sie vielleicht auch daran interessiert sind, wie man als Außenstehende das ganze sieht, daher hier auch ein paar Zeilen von mir.

Mein Mann ist nun seit einem halben Jahr mit der Rückschulung beschäftigt und ich kann einige positive Dinge feststellen.

Er ist ausgeglichener geworden und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass er bei Gesprächen mit den Gedanken schon wieder ganz woanders ist. Er konzentriert sich auf das hier und jetzt. Auch wenn es ihm mal nicht so gut geht redet er immer öfter mit mir und teilt sich mir mit, was sich positiv auf die Beziehung auswirkt.

Er ist geduldiger im Umgang mit seinem Kind und im Allgemeinen entspannter. Oft kommt es vor, dass er sich an Gespräche ganz von allein erinnern kann. Diese Diskussionen fallen also auch vom Tisch. Ich kann mich mehr auf ihn verlassen.

Mittlerweile kann man sagen, dass er ein Stückchen mehr Lebensfreude bekommen hat, auch wenn er gerade in der schwierigen Phase der Therapie ist.

Außerdem steht er mehr zu sich selbst, seinen Stärken und Schwächen. Er gibt Arbeit ab, wenn ihm etwas zu viel wird und somit entlastet er sich.

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