16 Jun

Erfahrungsbericht Rückschulung 7

Erfahrungsbericht über die Rückschulung zur Linkshänderin von C. H.

Auf den Gedanken, dass mir als Kind der Stift in die rechte Hand „gedrückt“ wurde – bin ich gekommen, als die Selbstumschulung zum Rechtshänder bei meinem Sohn festgestellt worden ist.
Doch was dies alles zur Folge hatte, war mir bis dato nicht bewusst gewesen. Bis zum Anfang der Rückschulung 2009 hatte ich zunehmend große Konzentrationsschwierigkeiten, die sich speziell auf Gespräche (ich verlor oft den „Roten Faden“) und auch auf das Lesen bezogen – nichts von dem Gehörten oder Gelesenen wollte in meinem Kopf bleiben. Außerdem war ich sehr schnell erschöpft und müde – auch auf vielen Fragen wusste ich die Antworten, war aber nicht in der Lage, diese auszusprechen, ähnlich einem „Black-Out“.

Aufgrund dieser Zustände wuchs meine Angst, Neues zu erlernen, die Angst vor dem Versagen war übermächtig, zumal ich auch sehr hohe Ansprüche und Erwartungen an mich selbst hatte – der Hang zum Perfektionismus….
Rückwirkend gesehen gehe ich davon aus, dass der Ursprung dieser Ängste zu scheitern, in der gezwungenen Umschulung als Kind lag.

Nach meinem Sohn ließ auch ich mich testen und machte für mich eine erfreuliche Feststellung – mit LINKS ging mir so manches leichter von der Hand!
Aus diesem Grund entschied ich mich dann auch für eine Rückschulung. Während der Therapie verbesserte sich meine Konzentration zu Sehens, was sich im Großen und Ganzen auf das Behalten von Informationen aus Gesprächen oder gelesenen Texten bezog.
Auch war ich nach und nach immer besser in der Lage, während des Schreibens oder Lesens Musik zu hören und trotzdem dem Verlauf folgen zu können.

Am Rande sei erwähnt, dass mir das Schreiben mit Links kaum Schwierigkeiten bereitete.

Nun zurückblickend betrachtet, kann ich nach der Rückschulung eine deutliche Verbesserung meines Gesamtbefindens feststellen, was sich in kaum noch Kopfschmerzen und einem freieren und entspannteren Körperbefinden äußert.

Bücher verschlinge ich mittlerweile ohne den Inhalt zu vergessen und auch meinen Gesprächspartnern kann ich leichter und besser folgen.
„Perfekt zu sein, versuche ich immer noch. Bin aber lange nicht mehr so enttäuscht oder entmutigt, wenn es mal nicht „Perfekt“ wird…

Zum Abschluss möchte ich sagen – auch wenn ich viele Jahre „Rechtshänder sein musste“, bin ich froh, dass ich den Schritt von „Rechts wieder zurück auf Links“ gewagt habe.

Mein Selbstbewusstsein ist gestiegen und meine Angst zu versagen wird immer weniger, und inwieweit ich noch Prüfungsangst habe, werde ich in nächster Zukunft „austesten“.

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