16 Jun

Erfahrungsbericht Rückschulung 5

Ich, weiblich und 42 Jahre jung, habe vor ca. 1,5 Jahren mit der Rückschulung auf meine dominante linke Hand in Begleitung einer Linkshändertherapeutin begonnen.

Befindlichkeiten vor der Rückschulung

Folgende Fragen und Gefühle haben mich ständig begleitet:

  • Warum muss ich immer mehr als die Anderen lernen bzw. Energie aufbringen, und das Resultat ist trotzdem schlecht.
  • Warum ist die Idee/Gedanke irgendwo im Kopf, aber kommt nicht raus?
  • Irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl „Es ist etwas nicht richtig!“
  • Ich habe die Kinder/Menschen, die den Mut hatten mit links zu schreiben, sehr bewundert.
  • Ich hatte immer Angst, etwas zu vergessen.
  • Warum mag ich nicht malen, obwohl es mich doch so fasziniert? Ich habe meine Bilder gehasst.

Fazit heute – Der Wirbelsturm

Befindlichkeiten während der Umschulung

Während dieser Zeit habe ich einige Zeit überhaupt nicht mit den Händen geschrieben. Für mich hieß das, ich musste mir sehr viel merken, was ich bis jetzt ja eigentlich überhaupt nicht konnte. Wenn ich schreiben musste, habe ich dieses mit dem PC erledigt oder meine Mitmenschen haben für mich geschrieben.

In dieser Phase hat sich das Gefühl „die Idee/der Gedanke ist im Kopf und kommt da nicht raus“ im wahrsten Sinne des Wortes in Luft aufgelöst. Ich konnte mir auf einmal alles einfach merken und auch immer öfter sofort abrufen.

Das ging auch bei den ersten Schreibübungen so weiter. Ich schrieb Texte aus Büchern ab. Die Aufgabe war es, sich möglichst viele Wörter zu merken und diese dann aufzuschreiben. Das klappte so gut, wie in meinem ganzen Leben noch nicht!!! Keine Rechtschreibprobleme, keine Leseprobleme und auch hier konnte ich mir wieder Mengen merken, ohne mich anzustrengen!!!

Ein weiterer Teil der Therapie war es, drei Bilder mit Links zu malen und diese zu interpretieren.

Wir haben mit einem Tuschebild begonnen „Drei Tiere auf einer Wiese“ Es war fast wie immer, ich hasste das Bild und es sah aus, wie von einem Erstklässler. Aber irgendwie machte es mehr Spaß als früher.
Das zweite Bild malte ich mit Kreide. Es wurde ein „Sonnenuntergang auf dem Meer. Dieses Bild gefiel mir – ich fühlte mich richtig gut. Dann war die Stunde zu Ende.

Ein paar Tage später habe ich über diese Stunde nachgedacht und mich zu Hause hingesetzt und angefangen zu malen.

Das erste Mal in meinem Leben konnte ich so malen, wie ich wollte …

Zur nächsten Stunde habe ich meiner Therapeutin meine Bilder mitgebracht. Es hat ihr die Sprache verschlagen.

Seitdem male ich von Herzen gerne und alles. Was mir in den Sinn kommt, kommt auf Papier. Herrlich!

Fazit heute – Das Erkennen und Durchbrechen

Nach der Umschulung

Heute probiere ich viele Sachen mit der linken Hand aus. Federball, Tischtennis, Billard, Dart und alle möglichen handwerklichen Tätigkeiten mache ich problemlos mit Links. (-:

Alles macht jetzt viel mehr Spaß und fühlt sich richtig an. Ich genieße mein Tun jede Minute, mit viel Gelassenheit und Ruhe.

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